Rückblicke 1921                                                                                                       Wolf Rahn

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Auf dem Jakobsweg von Rottenburg zur Kirche St. Georg in Eutingen-Rohrdorf

Es ist zu einem schönen Ritual geworden, dass die Ortsgruppe Gemmrigheim des Schwäbischen Albvereins jedes Jahr einen Abschnitt auf dem Jakobsweg zurücklegt. So waren auch in diesem Jahr wieder 48 Pilger dabei (+1 Person, die vor Ort dazu kam), als es mit dem Bus zum Startpunkt der diesjährigen Pilgerung, zur evangelischen Kirche nach Rottenburg am Neckar, ging. Der Dom stand zu diesem Zeitpunkt nicht zur Verfügung, da Weiser Sonntag war, aber die Pilger waren überrascht, so eine prachtvolle evangelische Kirche im katholischen Rottenburg vorzufinden. Wie im Jahr zuvor übernahm der mitreisende Gemmrigheimer Prädikant Martin Lessow die Morgenandacht in der Kirche. Nach   dem gemeinsam gesungenen Lied „Danke für diesen Morgen“, einer kurzen Ansprache mit Gebet und Pilgersegen begab sich die Gruppe auf den Weg, der zunächst durch die Stadt führte. Die Pilger wurden am Dom mit Glockengeläut empfangen, da gerade der Gottesdienst  begann. Der Weg führte an schönen alten Häusern vorbei und durch das prächtige Kalkweiler Tor hinaus aus der Stadt. Bald wurde ein weiteres Haus Gottes erreicht, die Wallfahrtskirche Weggental. Sie ist wunderschön in der Natur gelegen und wieder wies Glockengeläut auf eine beginnende Feier  hin. An einem schönen Rastplatz mit Brunnen und Bänken, dem „Kesselbrunn“, wurde die erste Vesperpause eingelegt, und wer sie noch nicht verspeist hatte, griff nun zur Pilgerbretzel, die im Bus verteilt worden war. Der Pilgerweg war meist gut mit dem Symbol „Jakobsmuschel“ gekennzeichnet, jedoch im folgenden Wanderabschnitt gab es eine Stelle mit falsch angebrachten Zeichen und eine Stelle ohne jeglichen Wegweiser. Hier zeigte sich, wie wichtig eine  gründliche Vorbereitung der Pilgerreise ist. Die Wanderführer (siehe Foto) waren die Strecke vorgewandert und hatten den rechten Weg erkundet. So konnte der nächste Ort Wolfenhausen ohne Umwege erreicht werden. Am Ortseingang befindet sich ein größerer Spiel- und Rastplatz, wo die Mittagspause geplant war. Hier wurden die Pilger von freundlichen Feuerwehrleuten empfangen, die die Grillstelle mit einem lodernden Feuer angeheizt hatten. Das Wetter hatte es bisher mit den Wanderern gut gemeint, das kühlere windige Wetter war ideal, aber nun fing es an zu regnen. Aber der Liebe Gott war mit den Pilgern, denn diese konnten sich nun in der Grillhütte vor Nässe schützen und als der Wanderführer zum Aufbruch rief, hatte es weitgehend aufgehört zu regnen. Der Weg führte nun durch einen schönen Laubwald und als einige Sonnenstrahlen hinter den Wolken hervorkamen, leuchteten die jungen Blätter in herrlichem schönem Grün. Bald war ein weiterer Höhepunkt der Pilgerreise erreicht, der Kreuzweg zur Ergenzinger Waldkappelle. Zwölf Stationen führen den Berg zur Liebfrauenhöhe hinauf, jede Station ist mit einem metallenem Kreuzwegbild und den Namen von Kriegsopfern versehen. Am Ende steht die Ergenzinger Waldkapelle zu der folgende Geschichte gehört:

In den schweren gefahrvollen Kriegsjahren, gelobte der Pfarrer, nach dem Krieg eine Marienkapelle zu bauen, wenn Maria das Dorf beschützt. Bei der gefährlichen Lage des Dorfes zwischen den Flugplätzen Eutingen und Hailfingen mit einer wichtigen Bahnlinie in der Nähe, die um das halbe Dorf führt, war die Angst vor einer totalen Zerstörung des Dorfes groß. Schon vor Ende des Krieges stifteten – noch unter der Zeit der Herrschaft der Nationalsozialisten – verschiedene Bürger das Baumaterial     für die Kapelle, die am 16. Sept. 1945 eingeweiht wurde.

Nicht weit von der Waldkapelle betreten die Pilger das Schönstatt-Zentrum Liebfrauenhöhe. Hier empfing die Schönstätter Marienschwester Annjetta die Gruppe zu einer Führung durch die umfangreiche Anlage. Die Schönstatt-Bewegung wurde im Jahre 1914 von Pater Kentenich gegründet und wurde nach dem Vorort Schönstatt in der Nähe von Koblenz benannt, wo der Pater anfangs wirkte. Die Schönstattbewegung ist heute eine weltweite apostolische Gemeinschaft in der katholischen Kirche. Nach diesem Blick in die Historie führte Schwester Annjetta die Pilger in das Schönstatt-Heiligtum, eine kleine Kapelle in der Mitte der Anlage. Es ist eine der weltweit über 200 originalgetreuen Nachbildungen des ersten Schönstatt-Kapellchens, des sogenannten „Urheiligtums“, in Schönstatt. Die Kapelle wurde bald zu klein und 1966 konnte eine zweite Kirche, die Krönungskirche „Maria Königin“, ein Gebäude, das an eine Krone Mariens erinnern soll, eingeweiht werden. Die Ausführungen der Schwester Annjetta wurden in großer Leidenschaft vorgebracht und ließen die Zuhörer die gelebte Frömmigkeit dieser Marienschwester spüren. Die Besucher erahnten, dass diese prächtige Kirche aus dieser Frömmigkeit heraus entstand und wurden durch die Aussage bestätigt, dass die künstlerische Gestaltung von zwei Marienschwestern vorgegeben wurde. Mit diesen neuen Eindrücken wurde der letzte Abschnitt der Pilgerreise angetreten und bald war das Ziel, die St. Georgskirche in Rohrdorf erreicht. Eine freundliche Messnerin hatte die Kirche geöffnet und Martin Lessow gestaltete den Abschluss des Tages mit gemeinsam gesungenen Liedern, einem Wort zum Abend und einem Gebet.

Mit vielen neuen Eindrücken versehen, brachte der Bus die Pilger in ein traditionelles Gasthaus in Eutingen und in lebhaften Gesprächen bei gutem Essen und durstlöschenden Getränken wurde das erlebte verarbeitet und der Busfahrer Uwe Seyfferle konnte zufriedene Wanderer wieder gut nach Hause bringen.