 |
Es
ist zu einem schönen Ritual geworden, dass die Ortsgruppe
Gemmrigheim des Schwäbischen Albvereins jedes Jahr einen
Abschnitt auf dem Jakobsweg zurücklegt. So waren auch in diesem
Jahr wieder 48 Pilger dabei (+1 Person, die vor Ort dazu kam),
als es mit dem Bus zum Startpunkt der diesjährigen Pilgerung,
zur evangelischen Kirche nach Rottenburg am Neckar, ging. Der
Dom stand zu diesem Zeitpunkt nicht zur Verfügung, da
Weiser Sonntag war, aber die Pilger waren überrascht, so
eine prachtvolle evangelische Kirche im katholischen Rottenburg
vorzufinden. Wie im Jahr zuvor übernahm der mitreisende
Gemmrigheimer Prädikant Martin Lessow die Morgenandacht in der
Kirche. Nach
dem gemeinsam gesungenen Lied „Danke für diesen
Morgen“, einer kurzen Ansprache mit Gebet und Pilgersegen
begab sich die Gruppe auf den Weg, der zunächst durch die Stadt
führte. Die Pilger wurden am Dom mit Glockengeläut empfangen,
da gerade der Gottesdienst
begann. Der Weg führte an schönen
alten Häusern vorbei und durch das prächtige Kalkweiler Tor
hinaus aus der Stadt. Bald wurde ein weiteres Haus Gottes
erreicht, die Wallfahrtskirche Weggental. Sie ist wunderschön
in der Natur gelegen und wieder wies Glockengeläut auf eine
beginnende Feier hin.
An einem schönen Rastplatz mit Brunnen und Bänken, dem „Kesselbrunn“,
wurde die erste Vesperpause eingelegt, und wer sie noch nicht
verspeist hatte, griff nun zur Pilgerbretzel, die im Bus
verteilt worden war. Der Pilgerweg war meist gut mit dem Symbol
„Jakobsmuschel“ gekennzeichnet, jedoch im folgenden
Wanderabschnitt gab es eine Stelle mit falsch angebrachten
Zeichen und eine Stelle ohne jeglichen Wegweiser. Hier zeigte
sich, wie wichtig eine
gründliche Vorbereitung der Pilgerreise ist. Die Wanderführer
(siehe Foto) waren die Strecke vorgewandert und hatten den
rechten Weg erkundet. So konnte der nächste Ort Wolfenhausen
ohne Umwege erreicht werden. Am Ortseingang befindet sich ein größerer
Spiel- und Rastplatz, wo die Mittagspause geplant war. Hier
wurden die Pilger von freundlichen Feuerwehrleuten empfangen,
die die Grillstelle mit einem lodernden Feuer angeheizt hatten.
Das Wetter hatte es bisher mit den Wanderern gut gemeint, das kühlere
windige Wetter war ideal, aber nun fing es an zu regnen. Aber
der Liebe Gott war mit den Pilgern, denn diese konnten sich nun
in der Grillhütte vor Nässe schützen und als der Wanderführer
zum Aufbruch rief, hatte es weitgehend aufgehört zu regnen. Der
Weg führte nun durch einen schönen Laubwald und als einige
Sonnenstrahlen hinter den Wolken hervorkamen, leuchteten die
jungen Blätter in herrlichem schönem Grün. Bald war ein
weiterer Höhepunkt der Pilgerreise erreicht, der Kreuzweg zur
Ergenzinger Waldkappelle. Zwölf Stationen führen den Berg zur
Liebfrauenhöhe hinauf, jede Station ist mit einem metallenem
Kreuzwegbild und den Namen von Kriegsopfern versehen. Am Ende
steht die Ergenzinger Waldkapelle zu der folgende Geschichte gehört:
In
den schweren gefahrvollen Kriegsjahren, gelobte der Pfarrer,
nach dem Krieg eine Marienkapelle zu bauen, wenn Maria das Dorf
beschützt. Bei der gefährlichen Lage des Dorfes zwischen den
Flugplätzen Eutingen und Hailfingen mit einer wichtigen
Bahnlinie in der Nähe, die um das halbe Dorf führt, war die
Angst vor einer totalen Zerstörung des Dorfes groß. Schon vor
Ende des Krieges stifteten – noch unter der Zeit der
Herrschaft der Nationalsozialisten – verschiedene Bürger das
Baumaterial für
die Kapelle, die am 16. Sept. 1945 eingeweiht wurde.
Nicht
weit von der Waldkapelle betreten die Pilger das Schönstatt-Zentrum
Liebfrauenhöhe. Hier empfing die Schönstätter Marienschwester
Annjetta die Gruppe zu einer Führung durch die umfangreiche
Anlage. Die Schönstatt-Bewegung wurde im Jahre 1914 von Pater
Kentenich gegründet und wurde nach dem Vorort Schönstatt in
der Nähe von Koblenz benannt, wo der Pater anfangs wirkte. Die
Schönstattbewegung ist heute eine weltweite apostolische
Gemeinschaft in der katholischen Kirche. Nach diesem Blick in
die Historie führte Schwester Annjetta die Pilger in das Schönstatt-Heiligtum,
eine kleine Kapelle in der Mitte der Anlage. Es ist eine der
weltweit über 200 originalgetreuen Nachbildungen des ersten Schönstatt-Kapellchens,
des sogenannten „Urheiligtums“, in Schönstatt. Die Kapelle
wurde bald zu klein und 1966 konnte eine zweite Kirche, die Krönungskirche
„Maria Königin“, ein Gebäude, das an eine Krone Mariens
erinnern soll, eingeweiht werden. Die Ausführungen der
Schwester Annjetta wurden in großer Leidenschaft vorgebracht
und ließen die Zuhörer die gelebte Frömmigkeit dieser
Marienschwester spüren. Die Besucher erahnten, dass diese prächtige
Kirche aus dieser Frömmigkeit heraus entstand und wurden durch
die Aussage bestätigt, dass die künstlerische Gestaltung von
zwei Marienschwestern vorgegeben wurde. Mit diesen neuen Eindrücken
wurde der letzte Abschnitt der Pilgerreise angetreten und bald
war das Ziel, die St. Georgskirche in Rohrdorf erreicht. Eine
freundliche Messnerin hatte die Kirche geöffnet und Martin
Lessow gestaltete den Abschluss des Tages mit gemeinsam
gesungenen Liedern, einem Wort zum Abend und einem Gebet.
Mit
vielen neuen Eindrücken versehen, brachte der Bus die Pilger in
ein traditionelles Gasthaus in Eutingen und in lebhaften Gesprächen
bei gutem Essen und durstlöschenden Getränken wurde das
erlebte verarbeitet und der Busfahrer Uwe Seyfferle konnte
zufriedene Wanderer wieder gut nach Hause bringen.
|